1.

"Eine Haltung einnehmen",
"aufrecht sein",
"Stellung beziehen",
"zusammbrechen",
"sich hängen lassen",
"wieder hochkommen",
"die Angst im Nacken haben",
"sich die Dinge zu Herzen nehmen",
"sich etwas nahegehen lassen",
"Kopf hoch! "
"die Nase hoch tragen",
"es geht mir an die Nieren",
"Sitzfleisch haben, "-

Nun, die geistig-seelisch-körperliche Einheit ist wahrhaftig keine ostasiatische Erfindung.
Diese Sprachbilder sind keine Allegorien unserer geistig-seelischen Wirklichkeit.
Der Schmerz, den die im Nacken sitzende Angst auslöst, ist ein Teil der Angst.
Wenn wir eine Haltung einnehmen wollen, dann müssen wir dies im wörtlichsten Sinne tun.
Die körperlichen Erscheinungen, die unser Erleben begleiten, sind somit keine Symptome, sie sind die Sache selbst.

Und deshalb können wir unsere geistige, seelische und körperliche Befindlichkeit durch beharrliches und maßvolles Üben beeinflussen.
D.h., wir können selbst etwas tun.
Es wird sich etwas verändern, wenn wir nur bereit sind und das, was wir tun, mit Aufmerksamkeit tun.

Qigong ist kein Allheilmittel.
Aber Qigong kann jedem helfen,
wenn er maßvoll, bedacht und unverbissen übt.

Wir sehen also:
Es gibt einen pragmatischen Zugang zum Qigong - ohne Esoterik, Mystik, Gläubigkeit.

Übe jeden Tag 5 Minuten bewußt zu stehen, und es wird sich etwas in Deinem Leben verändern: Du wirst zwangsläfig ein standfesterer, aufrechterer, stabilerer Mensch werden.


2.

Qigong hat eine Beziehung zur chinesischen Medizin.
Die chinesische Medizin beschäftigt sich u.a. mit dem Qi (so etwas wie universelle Lebensenergie), seiner Sammlung, Verteilung und seinem Fluß.
Ein Mensch gilt als gesund, wenn er genügend Qi hat und dieses in seinen Organsystemen ausreichend und beweglich vorhanden ist.
Störungen des Qi-Flusses können mit Krätern, über Berührung (Akupressur, Shiatsu), Akupunktur und Qigong behandelt werden.
Qigong wird zum Beispiel mit gutem Erfolg in der Krebstherapie praktiziert (Guolin-Qigong).
Eine gezielter therapeutischer Einsatz des Qigong setzt jedoch eine entsprechende Ausbildung voraus. [1]

3.

Qigong hat eine Beziehung zu den Kampfküsten
In den Kampfkünsten wird sowohl stilles, weiches wie hartes Qigong geübt. Während stilles und weiches Qigong das Qi von innen nach außen kultivieren, ist das harte Qigong ein eher äußerer Weg, der mit starker Muskelanspannung arbeitet. Dort, wo starke Muskelanspannung ist, ist auch viel Qi. Um es in Fluss zu bringen, müssen wir es loslassen, also unsere Muskulatur entspannen. Dieses Wechselspiel ist wesenlich beim Harten Qigong. Das Harte Qigong stellt einen guten Zugang für solche Menschen dar, die eher zur Schlaffheit neigen oder ihren Körper im Widerstand intensiver spüren können. Ich selbst bin über KungFu zu Qigong gekommen, und mein Qigong ist mit den Jahren immer weicher geworden.

[2]




[1]Eine kurze und leicht verständliche Einfürung in die chinesische Medizin bietet:
J.R. Worsley: Was ist Akupunktur?. Berlin. 1986. Wer es etwas komplizierter und ausführlicher mag, findet in der Literaturliste ausreichende Hinweise. Jedoch ist es nicht notwendig, sich auf diese gründliche Weise auf das Qigong vorzubereiten. Qigong muß erfahren werden, bevor es verstanden werden kann. Oftmals behindert unsere Bücherklugheit unser Vertrauen in unsere Wahrnehmung. [2]Eine gute Darstellung des harten Qigong finden Sie bei:
Oswald Elleberger: Hartes Qigong - nicht nur für Kampfkünstler in:
Qigong für Einsteiger, zu beziehen beim Verlag